Welcome to Disneyland

Da sind wir also: Mallorca, die Insel der Radfahrer. Genauer gesagt Port de Pollença, ein Hafen am nordöstlichen Ende der Insel, ganz in der Nähe des für seinen Leuchtturm bekannten Cap de Formentor. Es ist Mitte März, und die Reise ist die Belohnung für das Rollentraining der letzten Monate. Und welcher Ort würde sich dafür besser eignen?

Coll de Femenia, Coll d’Honor, Port de Valdemossa, Puig Major

Es geht los, der erste richtige Test für meine Form und ich weiß gar nicht genau, was mich erwartet. Also beschließe ich, einfach loszurollen und meinen eigenen Rhythmus zu finden. Zuerst steht der Coll de Femenia an, und ich genieße den sanft ansteigenden Pass. Danach der Coll d'Honor. Kurz vor Valldemossa telefoniere ich mit Christian: BBUC aus Wien sind heute angereist, wir verabreden uns für die nächsten Tage. Dann weiter, der kleine Abstecher in die steile Abfahrt nach Port de Valldemossa, einem Dorf an der Küste. Hier ist es wirklich traumhaft schön, doch viel Zeit bleibt nicht. Der anschließende Aufstieg fällt schon ziemlich schwer und eine kurze Pause an der Tankstelle bietet sich an. Denn als Nächstes wartet der Puig Major, der höchste Berg der Insel. Nach den Strapazen des Tages zieht sich jeder einzelne Kilometer, doch irgendwann ist er geschafft und der Tunnel auf der Kuppe überfahren. Auf der Abfahrt lasse ich den Abzweig zum Coll dels Reis links liegen und rolle zurück nach Port de Pollença. Ein langer Tag auf dem Rad geht zu Ende. Für mich war das die Königsetappe, ab hier ist alles Weitere nur noch Zugabe.

Coll de Sóller, Puig Major, Coll dels Reis

Heute bin ich mit den Jungs von BBUC aus Wien verabredet. Sie wohnen in einer hübschen Finca in Alaró und als ich dort ankomme, bereiten sich die Jungs gerade noch vor. Kurze Zeit später rollen wir dann gemeinsam los. Im Aufstieg zum Sóller überholen wir Gruppe um Gruppe an Radfahrern in schrill-schillernden Trikots. Von manchen Einheimischen, nicht ganz unpassend, „Bunte Pest" genannt.

Dann der Puig Major, nun zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage. Unsere Gruppe teilt sich, ich bleibe in der zweiten. Wegen Forstarbeiten müssen wir mitten im Aufstieg warten und kommen mit Verspätung am Gipfel an. Auf der Abfahrt finden wir schnell wieder den Anschluß an die Anderen und biegen ab zum Coll dels Reis.

Wenn Mallorca das „Disneyland der Radfahrer" ist, dann ist Sa Calobra mit dem berühmten Krawattenknoten die Hauptattraktion. Wir rollen die zwölf Kurven bergab, vorbei an Bussen und anderen Radfahrern, bis die Straße irgendwann unten an der Bucht endet.

Und dann geht es wieder rauf. Allerdings entspannt, denn heute ist nicht die Zeit für KOMs. Oben angekommen halten wir noch kurz am Kiosk, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Kurz vor Pollença trennen sich unsere Wege, die Jungs biegen ab nach Alaró.

Coll de Sa Bataia, Cap de Formentor

Zum Abschluss besuchen mich die Wiener noch einmal, nach einer Schleife über den Coll de Sa Bataia geht es zum Cap de Formentor. Die Straße windet sich hinaus zum Leuchtturm und hungrige Ziegen warten am Straßenrand auf uns. Zurück in Port de Pollença kehren wir noch bei Wiggins' Lieblingsitaliener ein. Seine Zeitfahrmaschine hängt unter der Decke und Bilder zieren das Lokal. Danach ist es Zeit Abschied nehmen. Adios.

Coll de Sa Bataia, Cap de Formentor

107,86 KM / 1.917 HM

Weekender

Von ein paar kürzeren Touren abgesehen, nutzen wir die übrigen Tagen, um die Insel zu erkunden. Wir tauschen das Rad gegen das Auto, fahren nach Deià, vorbei an Valldemossa. Trinken Kaffee, schauen auf die schroffen Klippen hinaus. Und es zieht uns in den Süden, weg vom Trubel der Tramuntana: zur Ermita de Santanyí, zur Ermita de Betlem. Hier ist von Disneyland dann nichts mehr zu spüren.

Text Robert
Bilder Robert

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